Ansprechpartnerin: Jun.-Prof. Dr. Vilma Ruppienė
Otto I., der Große, aus dem Geschlecht der Liudolfinger (geboren am 23. November 912), wurde nach seinem Tod im Jahr 973 im Magdeburger Dom an der Seite seiner bereits 946 verstorbenen Gemahlin Editha beigesetzt. Seit dem Domneubau des 13. Jahrhunderts befindet sich das Grabmal des Kaisers zentral im Binnenchor. Es besteht aus einem schlichten, kassettierten Sarkophag aus Kalkstein, der von einer überdimensionierten Marmordeckplatte abgedeckt wird.
Seit Januar 2025 wird die Grablege Kaiser Ottos I. im Magdeburger Dom im Rahmen eines umfassenden Kooperationsprojektes der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt und des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt saniert und konservatorisch gesichert. Nach umfangreichen nichtinvasiven Dokumentations- und Untersuchungsarbeiten am steinernen Sarkophag wurde Anfang März 2025 die marmorne Deckplatte abgenommen. In diesem Zusammenhang werden archäometrische Analysen durchgeführt, um Material und Herkunft der Platte zu bestimmen. Hierfür wurden im Juni 2025 zwei Bohrproben entnommen, die in Zusammenarbeit mit Dr. Walter Prochaska und Dr. Vasiliki Anevlavi vom Österreichischen Archäologischen Institut petrographisch mittels Polarisationsmikroskopie sowie geochemisch und isotopenanalytisch untersucht werden, um den Marmor einer in der Antike genutzten Lagerstätte zuzuordnen.
Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass das Material der Deckplatte nicht – wie zuvor angenommen – aus den Carrara-Steinbrüchen der Apuanischen Alpen in Italien oder von der Insel Euböa in Griechenland stammt, sondern aus Prokonnesos (heute Marmara-Insel, Türkei).
Über den ursprünglichen Entnahmeort der als Spolie verwendeten Marmorplatte geben die schriftlichen Quellen keinen Aufschluss. Ob es im Zuge weiterer Untersuchungen gelingt, ihren ursprünglichen Entnahmeort – etwa aus einer antiken Stadt des Mittelmeerraumes oder aus römischen Städten des heutigen Deutschlands – näher einzugrenzen, bleibt Gegenstand zukünftiger Forschung.
Jun.-Prof. Dr. Vilma Ruppienė
Professor für Klassische Archäologie mit dem Schwerpunkt Methoden der Archäometrie
Institut für Archäologische Wissenschaften
Ruhr-Universität Bochum
Am Bergbaumuseum 31, 44791 Bochum
Raum: 0.3.4
Tel.: (0234) 32-28546
Mail: Vilma.Ruppiene@ruhr-uni-bochum.de
Dr. Veit Dresely und Dr. Donat Wehner: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt.
Dr. Walter Prochaska und Dr. Vasiliki Anevlavi: Österreichisches Archäologisches Institut an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (Wien).